Folge 36 der WHySE Tiergeschichten
Dieser Beitrag erschien zuerst auf LinkedIn am 1. Oktober 2026.
„Montag geht’s los. Dann beginnen wir mit dem Projekt.” Hase sitzt bei Hund auf der Veranda. Hahn sitzt schon am Tisch, eine dicke Mappe vor sich.
„Bevor ihr losrennt, atmet einmal durch“, sagt Hund. “Habt ihr auch die Risiken beachtet?”
Hahn klappt die Mappe auf. „Alle möglichen Risiken sind bewertet. Wahrscheinlichkeit, Auswirkung – alles in der Matrix.“
„Prima, lieber Hahn. Doch wer verantwortet das erste Risiko?“, fragt Hund.
Hase und Hahn schauen Hund schweigend an.
“Und”, fährt Hund fort,„Bis wann liegt die Maßnahme vor? Wer entscheidet, ob sie reicht?“
Hahn erwidert: „Ich habe doch alle Risiken in meine Liste aufgenommen. Das muss doch reichen?“
Hund lächelt. „Deine Liste dokumentiert mögliche Sorgen, Hahn. Steuern tut sie jedoch nichts. Risikomanagement ist mehr als eine Tabelle. Es verbindet das Risiko, seine mögliche Auswirkung, die Maßnahme, den Verantwortlichen, den Termin – und die Entscheidung.“
Hase fragt: „Also erst Namen, dann Tempo?“
Hund nickt. „Tempo entsteht nicht beim Losrennen. Es entsteht durch Klarheit, wer was bis wann entscheidet. Projekte scheitern selten an dem einen großen Fehler. Sie scheitern an vielen kleinen offenen Fragen, für die niemande verantwortlich ist. Bei vielen und komplexen Projekten hilft eine neutrale Stelle, die alle Fäden hält – ein PMO (Project Management Office). Ein Angebot, keine Verpflichtung. Und es beginnt mit einer einfachen Regel: Ein Risiko ohne Benennung ist kein Risiko. Es ist wie ein uneingeladener Gast am Tisch. Zwar anwesend, jedoch kümmert sich niemand um den Gast. Obwohl es so sein müsste.“
„Und er wandert“, sagt Hase.
Hund ergänz: „Von Tisch zu Schreibtisch. Bis er später wieder auftaucht: als Terminproblem, als Nachtrag oder als fehlende Entscheidung.“

