Hund, Ratte, Affe und Schwein blicken auf ein Klärwerk mit Faultürmen und schwimmender Photovoltaik im H₂-Terrain.

Folge 35: Klärwerk und Wasserstoff: Seit wann ist ein Klärwerk ein Energieort?

Folge 35 der WHySE Tiergeschichten

Dieser Beitrag erschien zuerst auf LinkedIn am 29. Oktober 2026. 

„Wasserstoff aus dem Klärwerk? Wir haben doch gar keine Wasserelektrolyse“, fragt Affe. 

Hund schüttelt den Kopf. „Braucht ihr auch nicht.“

Ratte runzelt die Stirn. „Wie soll das gehen?“ „Ein Klärwerk hat zwei Stoffströme, die bisher kaum als Stoffquelle beachtet werden“, sagt Hund. „Klärschlamm und Klärgas.“

Schwein spitzt die Ohren. „Klärgas? Das kenne ich nur vom Blockheizkraftwerk. Da wird Strom und Wärme daraus gemacht.“ „Genau da fängt es an“, sagt Hund. „Klärgas besteht zu einem Großteil aus Methan. Mit Methanpyrolyse – einem Verfahren, das Methan in Wasserstoff und festen Kohlenstoff spaltet – entsteht Wasserstoff, ohne dass dabei CO₂ entweicht. Und den Kohlenstoff könnte anderweitig verwendet werden.“

Ratte denkt nach. „Und der Klärschlamm?“ „Der wird für große Anlagen ohnehin zur Pflicht“, sagt Hund. „Die Klärschlammverordnung verlangt Phosphorrückgewinnung ab 2029. Viele denken dabei an die Monoverbrennung. Wer den Schlamm jedoch pyrolysiert oder vergast und nachbehandelt, bekommt neben Phosphor auch noch ein wasserstoffreiches Gas.“

Ratte legt das Tablet zur Seite. „Dann ist das Klärwerk mehr als ein Ort, an dem Abwasser wieder sauber gemacht wird. Sondern eine Energie-, Stoff- und Wasserquelle.“ Hund nickt. „Genau. Jedes Klärwerk sollte sich jetzt die Frage stellen, ob es noch mehr Schätze als sauberes Wasser gibt.“

Meine Aufgabe an dieser Stelle: die Reihenfolge der Fragen sortieren, bevor die erste Anlage geplant oder eine bestehende Anlage erweitert wird. Denn Klärgas, Klärschlamm und Wasserelektrolyse folgen jeweils eigenen Regeln – bei Genehmigung, Abnehmerstruktur und Betriebsweise.

Wer die Phosphorrückgewinnungspflicht erst kurz vor der Frist angeht, riskiert Zeitdruck bei Genehmigung und Anlagenplanung. Wer parallel eine Wasserstofferzeugung mitdenken will, braucht früh Klarheit über Stoffströme und Betriebsweise – nicht erst, wenn die Frist drängt.

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