Hase und Hund vor Baustelle eines Wasserstoffprojekts, Projektzeitplan mit Notizzettel ‚slim' auf dem Tisch

Folge 34: Hund erzählt: Wie ein kleines Wort Verwirrung stiftet

Folge 34 der WHySE Tiergeschichten

Dieser Beitrag erschien zuerst auf LinkedIn am 24. September 2026. 

„Hoe slim is dat?“ fragt Hase und sieht Hund strahlend an.

Hund muss schmunzeln. Hase fällt vor Begeisterung in ihre niederländische Muttersprache zurück. Und das Wort „slim“ erinnert Hund an früher.

Damals stiftete dieses Wort bei Hund maximale Verwirrung. Denn im H₂-Terrain kann ein einziges Wort entscheiden, ob man zusammen feiert oder völlig aneinander vorbeiredet.

„Ja, liebe Hase, dat is slim“, sagt Hund, „und ich erzähle dir, wie ‚slim‘ Verwirrung stiften kann.“ Hase schaut Hund gespannt an.

Hund erinnert sich an seine Zeit als junger Projektingenieur in den Niederlanden. Sein Chef gab ihm einen klaren Auftrag: Entwickle einen Reaktor für ein Brennstoffzellensystem, der Kohlenstoffmonoxid in CO₂ umwandelt. Fachlich war Hund sofort klar: Preferential Oxidation – kurz PrOx.

Die Herausforderung war der Platz. Alles musste in einen kleinen Kasten passen. Also tüftelte Hund einen Entwurf aus, der auf engstem Raum eine maximale Gasdurchmischung garantierte, bevor das Gemisch den Katalysator erreichte.

Dann kam die „Scoring Session“. Alle Ingenieure starrten auf die Zeichnung. Harry, ein erfahrener Kollege, rief plötzlich aus: „Wat een slim idee!“

Hund sprach damals noch kein Niederländisch. Das englische Hirn sagte: „Slim? Dünn? Ist das zu wenig?“ Aber viel schlimmer war das deutsche Ohr. Das hörte nur „schlimm“.

Hund sackte innerlich zusammen und schaute wohl völlig enttäuscht drein. Harry sah das sofort und lachte: „Nee! Dat is een superschlaue Idee. Very smart!“

„Ja, Hase. Drei Sprachen, ein Wort – und drei völlig verschiedene Welten.“ Hase nickt. „Das verstehe ich gut.“

Genau das ist das H₂-Terrain heute. Wir nutzen Begriffe wie RFNBO, FID oder eben PrOx. Aber versteht jeder wirklich das Gleiche? Sprechen wir stets die gleiche Sprache? Wenn der Ingenieur „clever“ meint, der Partner aber instinktiv an ein „schlimmes“ Risiko denkt, kommt das Projekt ins Stolpern, bevor die erste Leitung liegt.

Orientierung beginnt damit, dass Hund und seine Weggefährten denselben Kompass benutzen – und sicherstellen, dass alle die gleiche Sprache sprechen. Damit aus einer „slimmen“ Idee kein „schlimmes“ Missverständnis wird.

Wer in internationalen H₂-Projekten Begriffe für „eindeutig“ hält, unterschätzt das Risiko. Ein falsch verstandenes Wort in Verhandlungen, Lastenheften oder Verträgen kann zu Fehlplanung, Verzug oder teuren Nacharbeiten führen – besonders, wenn Partner aus drei, vier Ländern am Tisch sitzen.

Nach oben scrollen