Folge 33 der WHySE Tiergeschichten
Dieser Beitrag erschien zuerst auf LinkedIn am 22. September 2026.
„Reiner Wasserstoff –
wie rein eigentlich?“, fragt Affe Hund.
Hahn hebt den Kopf. „Du meinst: Wie muss er beschaffen sein?“
„Nein“, sagt Affe. „Ich meine wirklich: Wie rein darf er sein?“
Hund stellt seine Tasse ab. „So rein, wie ihn die spätere Anwendung oder Anforderung braucht.“
Für Wasserstofffahrzeuge mit PEM-Brennstoffzellen ist die ISO 14687 „Wasserstoffbeschaffenheit“ eine wichtige Qualitätsreferenz.
„Und sie legt Grenzwerte für einzelne Verunreinigungen fest“, ergänzt Hahn.
Hund nickt. „Genau diese Stoffgrenzen sind häufig aussagekräftiger als eine reine Gesamtprozentzahl.“
In der Elektronikindustrie kann die Anforderung gar höher als bei Wasserstofffahrzeugen liegen, weil es dort auf hochreine Stoffe in der Produktion ankommt. In der Stahlindustrie, für die Direktreduktion von Eisen, sieht es wiederum anders aus.
„Was ist zu beachten, wenn der Wasserstoff ins Gasnetz soll?“, fragt Affe.
„Dann gelten in Deutschland die Anforderungen des DVGW-Arbeitsblatts G 260 ‚Gasbeschaffenheit‘“, erklärt Hund. „Wasserstoff gehört dort zur fünften Gasfamilie.“
Affe runzelt die Stirn. „Und wie wird er so rein?“
„Zum Beispiel durch Druckwechseladsorption. International heißt sie Pressure Swing Adsorption, kurz PSA. Poröse Materialien binden Begleitstoffe unter erhöhtem Druck. Der gereinigte Wasserstoff strömt weiter. Eine solche PSA habe ich selbst entwickelt. Die Technologie ist noch heute in den Anlagen von HyGear im Einsatz.“
Auch Membranen können für die Wasserstoffreinigung verwendet werden. Die Auswahl beginnt vor der Technik: Welche Stoffe sollen wir trennen? Bei welchem Druck und welcher Temperatur? Welche Gasbeschaffenheit verlangt die Anwendung? Und wohin gehen die abgetrennten Komponenten?
Genau hier baut Hund die Brücke zur Praxis. Eine höhere Reinheit klingt zunächst besser. Eine zu geringe Reinheit kann Brennstoffzellen, Katalysatoren und Prozesse beeinträchtigen. Eine unnötig hohe Spezifikation erhöht Aufwand, Energiebedarf und Kosten. Je nach Verfahren sinkt zudem die Wasserstoffausbeute.

